Schuld (im Bezug auf das Buch "Der Vorleser" von Berhard Schlink) www.supernovae.de

Schuld

 

Was ist Schuld ? Der Brockhaus Enzyklopädie ist zu entnehmen, dass es sich bei Schuld im Allgemeinen um die Verletzung eines rechtlich, sittlich oder religiösen Gebotes oder Gesetzes handelt. D.h. der Mensch wird durch sein Handeln schuldig, indem er etwas tut oder unterlässt, was mit der Benachteiligung oder dem Schaden seiner Mitmenschen verbunden ist. Aber woher weiß man nun, ob man schuldig ist ? Zum einen wäre da das Gewissen, das einem klarmacht, dass man etwas falsches gemacht hat (Schuldbewusstsein, Schuldgefühle) zum anderen Gott, die Mitmenschen oder das Gericht, weiterhin auch gesellschaftlich moralische Normen, an die es sich zu halten gilt. Dadurch, dass der Mensch seine Schuld anerkennt und eine Verzeihung des Betroffenen vorliegt, kann der Mensch seine Schuld wieder gut machen. Religiös gesehen ist Schuld oder Sünde eine Verfehlung des Menschen gegenüber Gott. Im juristischen Sinne steht Schuld im Konflikt mit der geltenden Rechtsordnung  und verletzt somit das Gesetz. Jedoch muss man unterschieden zwischen juristischem und philosophisch-ethischem Schuldbegriff. Immanuel Kant meint mit Schuld ebenfalls den Verstoß gegen Sittengesetze, jedoch wird der Mensch schon alleine dadurch schuldfähig, dass er frei ist und bestimmen kann was er tun will, d.h. der Mensch ist nach Kant in der Lage sich vom guten Willen abzuwenden und etwas Unmoralisches ja sogar Böses zu vollbringen. Obwohl der Mensch in der Philosophie weder als gut noch böse anzusehen ist, kann er jedoch das Gute in sich zum Vorschein bringen, indem er die herrschenden Sittengesetze als etwas Gutes anerkennt und seinen Willen diesen Gesetzen unterwirft. Viele Menschen bringen Schuld auch mit Angst in Verbindung, d.h. Angst vor bereits begangenen Unrecht oder durch seine Handlungen erneut schuldig zu werden. Wichtig jedoch ist, das Schuld auch etwas mit Verantwortung zu tun hat bzw. auch durch sie ersetzt werden kann (z.B. im Sinne von Klima- oder Umweltschutz).

Wie gesagt das Schuldigwerden des Menschen setzt Freiheit, Verantwortung und Moralität voraus, d.h. er ist in der Lage seine Handlungen zu bestimmen und zwischen Alternativen zu wählen, ihre Tragweite abzuschätzen, sowie ein Bewusstsein der sittlichen Werte. Wird jedoch Unrecht begangen infolge von Druck, Bedrohung oder Notwehr kann man dieses Unrecht nicht als moralische Schuld bezeichnen, wird jedoch dieses Unrecht infolge eines blinden Befehlsgehorsam begangen, z.B. im Zusammenhang mit Verbrechen gegen die Menschenwürde, kann  der Täter nicht von der daraus resultierenden moralischen Schuld freigesprochen werden.

 

In Bezug auf die Person der Hanna aus Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ wird diese auch schuldig, da sie ihren Befehl die jüdischen Frauen in der Kirche einzusperren, die daraufhin abbrennt, blind befolgt und somit ebenfalls ein Verbrechen gegen die Menschenwürde begeht. Sie begibt sich nach K. Jaspers zum einen in die moralische Schuld, die sie mit ihrem Gewissen vereinbaren muss, zum anderen in die sog. metaphys. Schuld, d.h. die widerstandslose Hinnahme von Verbrechen, die an anderen begangen werden. Sie ist zwar frei in dem Sinne, da sie die Möglichkeit hatte die Türen aufzuschließen, weil sie die Schlüssel besaß, dies aber nicht tat. Das Problem ist jedoch, dass sie sich noch tiefer in ihre Schuld verstrickt und somit, im Gegensatz zu den anderen Angeklagten, ein weitaus höheres Strafmaß erfährt, da sie gesteht den Bericht geschrieben zu haben, der die damaligen Ereignisse schildert, obwohl sie aufgrund ihres Analphabetismus gar nicht lesen und schreiben kann und somit den Bericht gar nicht hätte verfassen können. In diesem Sinne wird zu unrecht bestraft und verurteilt. Das Paradoxe hierbei ist, dass sie lieber eine nicht begangene Tat auf sich nimmt, als zuzugeben, dass sie nicht lesen und schreiben kann. Darüber macht sich auch der Ich-Erzähler Michael Berg Gedanken, nachdem er den Prozess und das Urteil verfolgt hat. In Bezug auf das Strafrecht soll mit der Straffrage herausgefunden werden, ob der Angeklagte, der ihm zu Last gelegte Straftat schuldig ist. Des weiteren muss erwiesen werden, ob er diese Tat überhaupt begangen hat. Dadurch das Hanna fälschlicherweise gesteht den Bericht geschrieben zu haben liegt ein Tatbestand vor der die Straffrage beantwortet und die Verurteilung von Hanna ermöglicht – jedoch zu unrecht.

 

Quellen:

Brockhaus Enzyklopädie. Band 19. Mannheim: Bibliografisches Institut, 1992, S. 538-540

Bernhard Schlink – Der Vorleser. Diogenes Taschenbuch, 1997, Diogenes Verlag AG Zürich

 

 

       

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