Argumentierende Texte analysieren und erörternwww.supernovae.de

1. Grundsätzliches zur Textanalyse

 

Um THESEN, ARGUMENTE und INTENTIONEN eines Textes angemessen beurteilen und erörtern zu können, muss die Argumentation des Textes zuerst rekonstruiert und in konzentrierter Form zusammengefasst werden. Einer Texterörterung muss also eine Darlegung meines Textverständnisses vorausgehen. Diese Darlegung sollte folgende Informationen über den Text enthalten:

 

-         Wer beschäftigt sich wo mit welchem Thema (Verfasser, Quelle, Fragestellung)

-         Welche These stellt er dabei auf?

-         Mit welchen Argumente und Beispiele wird die These gestützt?

-         An wen wendet der Verfasser sich (Adressat) mit welcher Wirkungs-Absicht (Intention)?

 

Ein argumentierender Text wirkt nie allein durch unwiderstehliche Kraft seiner Logik! Seine Wirkung hängt auch ab von den -> Sprachlichen Mitteln (WIE?) und vom -> Adressatenbezug (FÜR WEN?).

 

Hier gilt: Der Ton macht die Musik! Darum:

 

2. Einige Untersuchungskriterien zu Sprache und Stil

        Sprachregister: Umgangssprache oder Fachsprache? Kommt wörtliche Rede vor, wird zitiert?

        Satzsyntax: Hypotaxe oder Parataxe, d.i. subordinierte Nebensätze oder koordinierte Nebensätze, unvollständige Sätze (meistens ohne Verb, siehe Ellipse und Anakoluth)

        Wortwahl: anschauliche, bildhafte Wörter, gesuchte, geschraubte Wendungen, Fremdwörter, enthält die Wortwahl bereits deutliche Wertungen?

        Stilistische Mittel: Metaphern und Vergleiche ...

 

Anapher - Wiederholung von Satzanfängen: oft dreimal zur Steigerung, (-> Trikolon und Klimax)

 

Hyperbel (Adj. hyperbolisch) - Übertreibung: Da war der Teufel los! Dann geht die Post ab.

 

Emphase (Adj. emphatisch) - Betonung: Das musste gesagt werden... Dies kann nicht oft genug wiederholt werden ...

 

rhetorische Frage - suggeriert Einverständnis:

"Sie sind doch sicher auch der Meinung, dass die alte Regierung abgewirtschaftet hat?"

 

Euphemismus - Beschönigung: von uns gehen (sterben), Entsorgung (zweifelhafte Beseitigung von Giftmüll), Nachrüstung (Aufrüstung), Verteidigungsministerium (?)

 

Ellipse (elliptisch) - unvollständige Satzgrammatik : Nichts dergleichen! Sehr bedenklich!

 

Evokation - mehr oder weniger spontane Ausrufe: Unmöglich! Großartig! So nicht!

 

 

Anakoluth - Sprung in der Satzgrammatik

Wenn ich mir vorstelle, wie - aber wer kann das schon, es ist unvorstellbar!

 

Konzessiv-Formeln z.B.:

"Das mag schon seinen Sinn haben, aber ich kann ihn nicht erkennen."
"Sie mögen ja recht haben, aber trotzdem ..."- "Man könnte durchaus zugeben, dass ...., aber..."

 

Ironie - Ein Form der Verstellung. Eher das Gegenteil des Gesagten ist gemeint:

Das ist aber eine tolles T-Shirt! Und so schön bunt!

Schön, dass du auch noch kommst. Du hast uns jetzt gerade noch gefehlt.

Paradoxe Formulierungen: Weniger ist mehr! Wer hoch hinaus will, muss sich tief bücken.

         

3. Vorschläge zur Vorgehensweise

Vor der Textlektüre die Fragestellung genau lesen.

Bei der Lektüre unterstreichen (bunt): Welches ist die These, welche Argumente sollen sie stützen, wo setzt ein neuer Gedankengang ein, gibt es Schlüsselwörter?

Unterstrichene Aussagen verkürzt herausschreiben und strukturieren nach These, Argument, Lösungsvorschlag ...

Wenn verlangt oder besonders auffällig: Notizen zum Adressaten, zu Stil und Wortwahl

Einleitung schreiben. Diese sollte enthalten: Verfasser, Titel und Textsorte (Zeitungsartikel, Rede, Leserbrief...), sodann kurzgefasst das Thema des Textes und Hinweise auf dessen Relevanz und Aktualität.

Noch besser ist es, zuerst einige Ausführungen über das Thema und seine Aktualität vorauszuschicken und dann erst - vor dem Hintergrund der allgemeinen Problemstellung - den Text und seine spezifische Themenstellung einzuführen.

Eine Erörterung nicht mit einer Meinungsäußerung (Ich glaube/meine/denke/meiner Meinung nach) beginnen. Die persönliche Meinung soll die Schlussfolgerung aus der zuvor von Ihnen entfalteten Argumentation sein.

Beim Zitieren, nicht ganze Sätze oder Passagen, sondern Schlüsselbegriffe/phrasen, das Zitierte der eigenen Satzgrammatik angleichen und durch Zeilenangabe in Klammer hinterm Zitat belegen.

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